9. Januar 2018

UND WAS WIRD AUS DEM WEIHNACHTSBAUM? (DIY)

Es ist eigentlich ein ganz schön trauriges Leben, das Leben als Weihnachtsbaum. Nach stundenlangem hin und her wird der stachelige Auserwählte freudig ins Wohnzimmer gehievt, festlich geschmückt, beleuchtet, bestaunt und besungen und ist Mittelpunkt von allem. Aber schon nach ein paar Tagen werden die Kerzen nicht mehr angezündet, zu gefährlich, weil schon ein bisschen trocken. Nach Neujahr wird er immer öfter mit dem Blick "oje, dein letztes Stündchen hat bald geschlagen" beäugt, und spätestens, wenn er nadelt, wird beratschlagt, was mal aus ihm werden sollte. Heuer haben wir sogar vor dem Dreikönigstag tabula rasa gemacht.

Aber erst haben wir den Baum entschmückt, die Kinder und ich. Den ganzen Vormittag haben wir Lieder gesungen, über das schöne Fest geschwärmt und doch noch das eine oder andere Kerzlein brennen lassen. Jeden Schmuck in den Fingern gehalten, danach in die "Weihnachtszeugs"-Box gelegt und wieder im Keller verstaut. Bis nächstes Jahr, wir freuen uns jetzt schon. Das gemeinsame "Aufräumen" war nötig, denn als wir den nackten, entzauberten, trockenen Nadelriesen vor uns stehen sahen, hat der Grosse ein bisschen geweint. Denn er war, wie jedes Jahr, der schönste Baum, den es überhaupt gibt. Und die Zeit, in der ein Weihnachtsbaum im Wohnzimmer glitzert, ist halt einfach schon unglaublich allerschönst. 
Dann habe ich die Stichsäge herausgeholt... Ende der Weihnachtszeit. ABER, Teile unseres Baumes werden uns weiter begleiten, denn so einfach gehen lassen wollten wir ihn dann doch nicht, den Allerschönsten. 
Gemeinsam haben wir mit der Gartenschere die Äste abgeschnitten und diese im Garten auf den Beeten verteilt. Die Tannennadeln, in den Gartenbeeten verteilt, schrecken die Schnecken ab. Den Stamm haben wir mit Sägen zerteilt, damit wir Stücke zurechtmachen können, die wir zum Schnitzen, zum Werken an der Werkbank oder auch zum Feuer machen im Garten brauchen können.

Hier noch ein paar Ideen für ein Weihnachtsbaumre- upcycling (wadewer):

Vor ein paar Tagen habe ich hier über das Märchen von Frau Holle geschrieben. Als ich meinen Kindern davon erzählte, wollten sie wissen, was eine Spindel ist und was man damit macht. Es ist spannend, wie man von der Wolle zum Wollfaden kommt. Wir haben uns eine Handspindel gewerkelt und uns unsere eigene Wolle gesponnen. 
Wolle spinnen ist eine uralte Tätigkeit. Die Handspindel ist eines der ältesten handwerklichen Geräte der Menschheit überhaupt. Seit mehreren tausend Jahren spinnen Menschen mit Wolle.


Spindel 

Ihr braucht: 
- eine Holzscheibe vom Stamm des Weihnachtsbaumes (oder eines Stammes / Astes eines gefällten Baumes), ca. 2  cm dick.
- ein Holzstock (Spinnstab), der möglichst gerade und astfrei ist (haha, das schreibe ich und unser Stöckchen auf den Bildern ist sowas von krumm...)
- Säge
- Handbohrer
- Sackmesser / Schnitzmesser
- Kleines Stück Karton
- Schafwolle
(unsere Spindel ist vom Ast eines gefällten Baumes aus dem Park, aber ebenso gut machbar aus dem Stamm des Weihnachtsbaumes)

So wird es gemacht:

Sägt euch eine Scheibe des Stammes vom Weihnachtsbaum ab. Wenn ihr wollt, könnt ihr den Stamm vorher mit dem Taschenmesser abschälen und alles schön glatt schleifen.

Bohrt ein Loch in der MITTE eurer Holzscheibe (Wirtel). Tja, die Mitte ist leider nicht immer da, wo der Baum sein Zentrum anzeichnet. Ihr müsst also, damit eure Spindel dann auch schön rund läuft, die genaue Mitte ermitteln. Das geht am Besten, indem ihr ein rundes Stück Papier auf euer Holz legt und mit einer Ahle ein Loch vorbohrt. Dann bohrt ihr mit dem Handbohrer ein so grosses Loch, dass ihr euer Holzstöckchen KNAPP hineinstecken könnt. Falls das Loch zu gross geworden ist, könnt ihr das Stöckchen mit Kleber festmachen. 



Am oberen Ende des Stöckchens schneidet ihr mit dem Schnitzmesser eine Kerbe hinein, damit ihr die Wolle befestigen könnt.


Die Spindel ist jetzt schon fertig. Jetzt wird gespinnt! Nehmt die Schafwolle, dreht mit den Fingern einen kleinen Strang zum Faden und wickelt diesen um ein Stück Karton. Ihr braucht etwa 30 cm Wollfaden, damit ihr diesen um die Spindel binden und mit dem Spinnen beginnen könnt. 




Befestigt den Wollfaden mit einem Knopf unter dem Wirbel am Spinnstab und dann mit einer Schlinge fest in der Kerbe.




Nun nehmt ihr das Ende eures gedrehten Wollfadens und legt dieses auf ein Stück der Schafwolle. Achtet darauf, dass beide Enden, die ihr zusammenspinnen wollt, 3 - 5 cm aufeinander liegen. 



Haltet die Verbindung Wollfaden - Schafwolle mit der einen Hand fest. Mit der anderen Hand fasst ihr den Spinnstab am oberen Ende und dreht ihn mit Daumen und Zeigefinger, sodass der Wirbel der hängenden Spindel schnell kreist. Lasst den Wollfaden mit der Schafwolle zu einem Faden verdrehen, währenddem lockert ihr den Griff um die Verbindung des Wollfadens und der Schafwolle.


 
Achtet darauf, dass ihr die Spindel immer auf die gleiche Seite dreht und lasst dabei die Schafwolle langsam durch eure Finger gleiten. Verliert die Spindel an Schwung, haltet ihr sie an und dreht sie immer wieder, bis der Faden an Länge gewonnen hat. Dann löst ihr ihn aus der Kerbe, wickelt ihn eng um den Spinnstab und macht am oberen Ende des Stöckchens den Faden wieder mit einer Schlinge fest. Der Faden sollte nur etwa 10 cm über den Spinnstab hinausragen, wenn ihr ihn neu mit der Schafwolle verbindet. Und dann spinnt und spinnt und spinnt.
Es braucht Achtsamkeit, ein bisschen Fingerspitzengefühl und ein klein wenig Übung, bis man aus der Schafwolle einen Wollfaden drehen kann. Aber wenn die Finger erst mal erlebt haben, wie das Spinnen vor sich geht, wollen sie meist gar nicht mehr damit aufhören... Und das Schöne ist: Auch wenn der Faden bricht, er lässt sich immer wieder mit der Schafwolle verdrehen.
Was ihr aus eurer selbstgesponnenen Wolle anfertigen könnt, seht ihr hier.


Holzknöpfe

Schält einen Ast mit dem Schnitzmesser zuerst und sägt ihn dann in dünne (5mm) Scheiben. Schleift die Scheibe fein und bohrt dann je zwei kleine Löcher hinein. Sollte irgendwann an einer Strickjacke ein Knopf fehlen, habt ihr doch gleich eueren selbstgemachten Weihnachtsbaumknopf zur Hand.


Stelzen

Wie ich für meine Tochter aus einem Stück eines gefällten Baumes Stelzen gemacht habe, könnt ihr gerne hier nachlesen. Auch eine Idee machbar aus dem Weihnachtsbaum.



Es gibt auch viele Rezepte für Tees aus Tannennadeln, Tannennadel-Salz, Hustensirup oder Badezusätze aus den Nadeln. Ich bin mir nicht sicher, aber ich habe das Gefühl, dass unser Baum ganz schön gedüngt und gespritzt wurde, um so makellos auszusehen... Deshalb verzichte ich lieber aufs Aufessen des Baumes. Falls ihr jedoch einen Biobaum ergattert habt, findet ihr viele weitere Ideen für das Verwerten des Weihnachtsbaumes im Netz.

Ich wünsche ich euch einen ganz besonders gelungenen Start in die erste Schulwoche dieses Jahres und viel Freude, Begeisterung und Herz, bei allem was ihr tut.
Herzlich, Sandra



Obwohl wir begeisterte Weihnachtsbaumverarbeiter sind, habe ich mich dieses Jahr besonders schwer getan mit dem Gedanken, dass im Januar der geschnittene Baum "entsorgt" wird. Und da ich finde, dass es unbedingt ein Leben nach der Weihnachtszeit geben muss, habe ich mich entschieden, dass wir im nächsten Jahr einen lebenden Weihnachtsbaum mieten werden. Dieser wird in einem Topf unser Heim verzaubern und danach wieder in die Natur gepflanzt. Ein schöner Gedanke, finde ich. Klar, noch dauert es 11 Monate, bis wieder Weihnachten ist, aber es geht ja immer schneller, als man denkt...

Infos über lebende Weihnachtsbäume in eurer Stadt gibt es hier.



Verlinkt mit creadienstag / createinaustria / Hot / naturkinder
Vielen Dank!

Kommentare

  1. "Dann habe ich die Stichsäge herausgeholt... Ende der Weihnachtszeit" ich habe gerade so lachen müssen ;-)

    Die Verwertung ist total hübsch geworden. Ich muss (zu meiner Bogger-Schande) gestehen, dass wir einen künstlichen Baum haben - seit Jahren schon, da es mir so widerstrebt, den Baum danach zu entsorgen. Ich hätte schon lieber einen echten, für nächstes Jahr gibt es einen im Topf, da war ich heuer einfach zu langsam.

    Caro (Naturkinder) hat eine Sammlung, wo man allerhand findet. Ganz liebe Grüße Uli

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    1. Liebe Uli, danke dir von Herzen. Du, ich war dieses Jahr auch viel zu spät mit der Baumorganisation. Irgendwie war voll schnell Weihnachten und so blieb uns nur noch der Gang zu den gefällten Bäumen... und auch da war schon fünf vor zwölf. Dieses Jahr werden wir uns gegenseitig dran erinnern, an die lebenden Tannen. Einverstanden?
      Habts ganz fein und liebste Grüsse aus dem dunklen Wien zu euch in den Schnee.
      Sandra

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  2. Geniale Idee mit der Spindel!Wir haben letztes Jahr aus unserem Tannenbaum eine Mobile gemacht - und auch Knöpfe, die sind einfach, schlicht und schön.
    Liebe Grüße
    Leni

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    1. Liebe Leni, vielen Dank für deine liebe Nachricht. Hast du euer Mobile vom letzen Jahr auf deinem Blog? Das würde ich mir sehr gerne ansehen.
      Liebste Grüsse
      Sandra

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  3. So viele wunderbare Ideen... as mit der Spindel werde ich mir verkneifen, denn ich schaffe es nicht mal mit dem Spinnrad, mehr als nur Regenwürmer zu spinnen (wären ja theoretisch auch gut für den Garten *hihi*) ... Das mit den Tannennadeln zu Schneckenabwehr finde ich sehr interessant.
    Unser Baum ist ja schon weg, aber für nächstes Jahr kann ich mich hoffentlich noch erinnern. Du könnstest deinen schönen Beitrag auch im Ideenreich von Create in Austria (http://www.createinaustria.at/p/ideenreich.html) da würde er wunderbar in die Rubrik "Upcycling, Recycling, Reparieren" passen.
    GLG Birgit

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    1. Liebe Brigit, ich habe eben grad sehr gelacht... Danke für deine Nachricht und dein liebes Kompliment. Ich habe mich gefreut. Ja, Würmer sind schon fein...
      Das Spinnen mit der Spindel ist viel einfacher als mit dem Spinnrad, ich verspreche es. Denn dabei musst du nur auf deine zwei Hände achten und nicht noch mit den Füssen das Tempo bestimmen...
      Danke dir für den Tipp vom Ideenreich. Ist das was anderes als wenn ich meine Ideen einfach auf createinaustria poste?
      Alles Liebe und ein schönes Wochenende.
      Sandra

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Maira Gall