5. Mai 2017

STAND DER DINGE: AUGENRINGE


Die letzten Jahre fielen für mich schlaftechnisch eher ungünstig aus. Also eigentlich total ungünstig bis sauschlecht. Unsere Kleine ist nämlich eine Nachteule; ich aber so gar nicht. Umso glücklicher bin ich, wenn mal eine Nacht einfach durchgeschlafen wird. Ha, ha, wenn ich dann überhaupt schlafen kann und nicht vor lauter Überraschung schlaflos neben schnarchenden Kindern liege und verzweifelt in die Dunkelheit starre.
Letzte Nacht war mal wieder eine Nacht der "Frau der Ringe"... Der Augenringe! Das geht so:

22.30 Uhr: Die Kleine hustet. So ein Husten, ihr wisst schon... Ich hänge nasse Tücher auf im Kinderzimmer.

23.00 Uhr: Wir nehmen die arme Hustenmaus zu uns ins Bett. Hier, zwischen Mama und Papa, hustet sie vor sich hin. Ich nehme sie in den Arm und streichle sie, bis sie sich beruhigt.

23.11 Uhr: Ich stehe auf, wärme den Bienenwachswickel und lege ihn der Kleinen auf die Brust. Sie hustet und mir bricht das Herz. Ich taste das Bett nach ihrem Schnulli ab. Spurlos verschwunden. 


Ich stelle mich auf eine lange Nacht ein. 

23.45 Uhr: Ihre Nase ist total zu. Ich suche den Nasenspray... der war doch irgendwo. Verflixt und zugenäht, warum um Himmelswillen legen wir die Dinge, die wir brauchen, immer nicht zurück an ihren Ort? Ich dreh durch. Ab morgen werde ich IMMER alles wieder zurück an seinen Platz schaffen... Ehrenwort! Uff, Nasenspray gefunden. Jetzt aber schnell ins Bett. 

01.19 Uhr: Ich bin eben abgetaucht, in meinen Schlaf... Die Kleine liegt quer. Ich habe abwechselnd einen Fuss im Gesicht oder einen Ellbogen am Kopf. So wird das nichts... Sie ist so unruhig. Ich stehe auf und hole ein Glas Wasser für sie. Auf dem Weg in die Küche springt mir eine fröhliche Katze entgegen. Spielen, spielen, mauzt sie und ist guter Dinge. Nö, Süsse, jetzt nicht.

03.27 Uhr: Der Grosse ist durstig und stampft ins Badezimmer. Licht an, Wasser an, Wasser ab, stampft zurück. Licht bleibt an. Ich stehe auf, drehe das Licht ab und als ich zurück ins Bett möchte, liegt da bereits der Grosse, lang und breit ausgestreckt neben der Kleinen. Ich lege mich unauffällig zwischen die beiden. Seit ich Kinder habe, bin ich Elastygirl, kann mich verbretzelt um meine Kinder legen, pas de problème.

03.40 Uhr: Mein Liebster packt seine Decke und sein Kissen und wandert aus, schleicht Richtung Kinderzimmer. Gute Idee und ich bin ein bisschen neidisch.

04.45 Uhr: Die Kleine hustet und der Grosse erwacht... Die wohl ungünstigste Zeit, wach zu werden. Drei Uhr in der Früh ist doof, aber man hat ne Chance, dass alle nochmals einschlafen... Aber knapp vor fünf? Nein!!! Ganz schlecht. Leicht verzweifelt gehe ich im Kopf durch, wie ich es wohl schaffen kann, den Rest des Tages über die Runden zu bringen und rechne aus, wie viele Stunden ich irgendwie überstehen muss, bis wieder 20 Uhr ist und ich mich wieder hinlegen kann (theoretisch hinlegen könnte...).


Draussen bricht der Tag an und ich könnte im Stehen schlafen.

04.47 Uhr: Die Kleine ist hellwach. Sie schaut sich um und freut sich so, dass wir zu dritt im Bett liegen. Laut und fröhlich sagt sie: Fast ganze Familie im Bett. Der Grosse schaut mich an und lacht. Ihr zwei Spassvögel... sehr lustig.

04.50 Uhr: Ich gebe auf und frage: Kinder, mögt ihr ein Vogelkonzert hören? Beide nicken. Gut, dann deckt euch bis zur Nasenspitze zu und seid ganz still. Ich öffne das Fenster einen Spalt. Wir spüren, wie die kühle Luft ins Zimmer schleicht und hören, wie die Vögel singen. Wunderschön pfeifen sie ihre Lieder in den neuen Tag, und weil die Welt noch so leise ist, hört man das Gezwitscher um so intensiver. Der Grosse flüstert: Das sind die Vögel, die wir im Winter gefüttert haben. Jetzt singen sie DANKE. Ja, wie schön. Mucksmäuschenstill liegen wir drei aneinandergekuschelt unter den warmen Decken und folgen den zauberhaften Melodien. Ich bin hundemüde nach dieser Nacht, aber so gerührt vom Moment und diesen heilsamen Klängen. Ein Vogelkonzert nur für uns. 
Und als ich ein wenig später das Fenster wieder schliesse, sind die Kinder doch noch einmal eingeschlafen.
Was für ein Glück. Schnell schlüpfe ich zurück zu den zweien. Und jetzt aber husch, noch ein bisschen Schlaf einsammeln, bis dann wirklich Aufstehzeit ist. 

Der frühe Vogel mit den tiefschwarzen Augenringen findet bestimmt auch später noch n Wurm.

Müde Grüsse nach da draussen.

Sandra

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Maira Gall