7. November 2017

RÄBELIECHTLIUMZUG ODER EIN LICHTERDANK AN DIE NATUR (DIY)

  
Lueg mis Räbeliechtli aa
ich hans sälber gmacht
und jetzt lüchteds hell und schön
dur die dunkli Nacht
Ruhig trägä, nöd umäfägä und nöd aafaa rännä
somä Liecht muess glueged sii, wänns söll richtig brännä
(Gerda Bächli)



Wenn sich der November anschleicht, dann kommt diese stille Freude auf den Räbeliechtliumzug, eines der schönsten Feste im Jahr überhaupt. In den deutschsprachigen Kantonen der Schweiz ist der Räbeliechtliumzug eine Tradition, die jedes Kind kennt. Anfang November ziehen sie mit ihren selbstgeschnitzten Räbeliechtli singend durch die Dunkelheit. 
Obschon ich seit vielen Jahren im Ausland lebe, kann ich die Stimmung ganz genau spüren, den Herbstwald und die angebrutzelten Räbeliechtlis riechen, und  ich sehe die erleuchteten Kindergesichter vor mir. Es ist wunderschön mystisch, wenn man mit Kindern durch die dunkle Natur zieht, die beleuchteten Räben vor sich hertragend, Licht bringend in die Dunkelheit, zu den Tieren, den Bäumen, und all den anderen zauberhaften Wesen, die da auf uns warten. Wenn unsere Lieder die Stille erfüllen und wir mit langsamen Schritten in die Nacht hinaus gehen, sich an den Händen haltend, weil es doch links und rechts seeeehr dunkel ist, spürt man das grosse Glück der Einfachheit.


Im Mittelalter zählte die Räbe zu den Grundnahrungsmitteln der Menschen. Die Rübe war die letzte Feldfrucht, die vor dem Winter geerntet wurde, und schon damals haben die Frauen und Kinder nach dem Einbringen der Ernte aus den Rüben zauberhafte Lichter geschnitzt. Diese Lichter erhellten den Familien den Weg, wenn sie in die Kirchen zum Erntedank-Gottesdienst wanderten. Heute noch ziehen im November Schweizer Kinder in Gruppen hinaus in die Nacht und tragen, beim gemeinsamen Singen, die kerzenbeleuchteten Räben (Rüben) durch die Nacht. 

Falls ihr nun Lust bekommen habt, ebenfalls eine Räbe zu schnitzen, findet ihr hier die Anleitung dazu.


Ihr braucht:

- Räbe (bedenke; je grösser die Räbe, desto schwerer ist sie zum Tragen...)
- ein grosses und ein kleines Messer (ev. Taschenmesser)
- Schneidebrett
- Apfelaushöhler, Apfelentkerner oder Löffel
- Schnitzwerkzeug (Rüstmesser oder Linolschnitzwerkzeug)
- Schüssel (für das Räbenfleisch)
- ev. Keksausstecher
- Stabkerze
   
Und so wird's gemacht:

- Den Deckel (da wo die Wurzeln sind) der Räbe mit einem grossen Messer abschneiden. (ca. 3-5cm)

- Nun beginnt ihr, mit dem Aushöhler oder dem Löffel, die Räbe auszuhöhlen. Die Wand sollte ca 1/2 cm dick sein. Am einfachsten geht dies, wenn ihr von der Mitte aus zum Rand aushöhlt. Achtet darauf, dass die Räbenwände nicht zu dünn werden, ansonsten fällt die Räbe in sich zusammen. Falls ihr unsicher seid, ob die Räbe schon genug gehöhlt ist, haltet sie gegen eine Lichtquelle. Schimmert das Licht durch, hat das Aushöhlen ein Ende.


- Jetzt kann die Räbe geschnitzt werden. Am Schönsten ist es wohl, wenn die Kinder ihre Formen mit einem spitzen Bleistift vorzeichnen, man dann gemeinsam mit der Messerspitze  oder dem Schnitzwerkzeug die Formen einritzt und dann nur die dunkle Räbenhaut abzieht. Wenn ihr mögt, könnt ihr auch Keksformen nehmen, diese leicht in die Räbe drücken, sodass die Räbenhaut eingeritzt ist, und dann mit dem Messer die Haut abschälen.
Achtet darauf, dass ihr mit dem Ausstecher nicht durch die Räbenwand durchstecht. 
Um das Schnitzmesser kindersicher zu machen, könnt ihr die Klinge, bis ca. 1cm vor die Spizte mit Klebeband umwickeln. 


- nun bohrt ihr in der Mitte der Räbenunterseite ein Loch, durch das die Stabkerze gestossen wird. 

GANZ WICHTIG: DAS LOCH MUSS GANZ KNAPP AUSFALLEN. DIE STABKERZE MUSS SCHWER DURCH DAS LOCH DURCHGEDREHT WERDEN, ANSONSTEN WACKELT DIE RÄBE AN DER KERZE.

Dieser Schritt ist der kniffligste von allen, und es kann tatsächlich passieren, dass das Loch mal zu gross gerät. Dann umwickelt ihr die Stabkerze so oft mit Aluminiumfolie, bis sie dick genug ist und wackelfrei in die Räbe passt. Sieht nicht superschön aus, aber erfüllt den Zweck... Und niemand sieht das in der Nacht!


Achtet darauf, dass die Flamme der Kerze nicht über den Räbenrand züngelt. Sobald die Kerze bis zur Räbe abgebrannt ist, könnt ihr die Kerze wie eine Schraube wieder ein kleines Stück nach oben drehen.


Nun ist euer Räbenliechtli fertig. Bevor ihr auf den Weg geht, beachtet bitte noch folgendes:

-Es hilft, wenn man mit den Kindern eine Proberunde bei Tageslicht macht und ihnen zeigt, wie man die Kerze mit der Räbe gerade hält, genug Entfernung zur Nasenspitze hält und mit dem Kerzenlicht in Händen nicht hastet. Besser ist es, zu stolzieren. 

- Zieht Kindern mit langen Haaren eine Mütze auf oder bindet ihre Haare gut zurück. 

- In der Nacht tendieren wir dazu, schnell zu gehen, statt langsam zu schreiten. Mit dem Räbenliechtli in der Hand soll man jedoch langsam gehen, Schritt für Schritt. Dabei hilft es, wenn ihr die Lieder bewusst langsam singt und euer Schritttempo dem Rhythmus der Gesänge anpasst.


- Bitte begleitet und beaufsichtigt euer Kind, wenn es mit dem Räbenliechtli herumgeht. Helft dem Kind auch draussen, die Räbe aufrecht und in genügend Abstand zum Gesicht zu halten und führt es an der Hand, damit es in der Dunkelheit nicht hinfällt. In der Nacht draussen zu sein, selber ein Kerzenlicht in den Händen zu halten, die eigene Stimme in der Stille zu hören, die Geräusche und Düfte wahrzunehmen ist so stimmungs- und geheimnisvoll, dass die Kinder manchmal einfach vergessen, auf ihr Licht zu achten. 

- Nach dem Umzug stellen die Familien ihre Räbenliechtlis vor die Haustüre, auf den Balkon, in die Gärten oder auf die Fensterbretter. Entfernt dazu die Stabkerze und stellt stattdessen ein Teelicht in die Räbe. Die Räbe kann so lange beleuchtet werden, bis sie schrumpelig ist. Dann übergibt man sie dankbar dem Kompost.

- Übrigens: Ganz traditionell sind an den geschnitzten Lichtern Schüre befestigt, an denen die Kinder die Räbe tragen. Ich fand diese Art ungünstig, weil die Lichter beim hin und her schaukeln immer an die Kinderbeine schlugen und auslöschten und weil die Kinder ihre eigenen Schnitzereien so nicht sehen können. Zudem mag ich es so gerne, wenn das warme Licht die Kindergesichter erleuchtet. Ich finde, dass sich die Variante mit der Stabkerze sehr bewährt hat.


Ich bin mit miim Räbeliechtli
underwägs hüt Znacht
und ich lüüchtä wie das Liecht
wo alles heller macht
(Andrew Bond)

Ich geh mit dem Rübenlichtlein
auf den Weg heut Nacht
und ich leuchte wie das Licht
das alles heller macht 



Ich wünsche euch viel Freude, viel Licht und stimmungsvolle Momente mit euren Kindern. 
Alles Liebe, Sandra




mit liebem Dank verlinkt mit creadienstag / HoT / createinaustria / lemonddekitchi / naturkinder

Kommentare

  1. Von den Räben weiß ich von meinen Enkeln, die in Züri leben und dort den Martinszug hier in Köln vermissen - da scheint ihr was gemeinsam zu haben.
    Und ich vermisse inzwischen alle meine 7 Enkel, die nicht mehr hier bei uns in Köln leben und mit denen ich früher das Martinsfest gefeiert habe.
    Ich würde mich freuen, wenn du diesen Post mit meiner Linkparty zum Thema Feuer verlinken würdest...
    Liebe Grüße
    Astrid

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    1. Liebe Astrid, danke dir, das mache ich sehr, sehr gerne. Ich finde St.Martin auch ein ganz wundervolles Fest und ich freue mich riesig, mit den Kindern am Freitag mit den Laternen durch die Nacht zu gehen. Nacht und Kerzenschein hat einfach was zauberhaftes.
      Alles Liebe dir nach Köln und deinen Enkeln nach Zürich.
      Herzlich, Sandra

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  2. Danke für deine Wünsche und fürs verlinken ( gerade zieht der erste Martinszug durchs Veedel ).

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Maira Gall